Historie

Das Kranich-Gymnasium stellt sich vor

Wie kam das Kranich-Gymnasium zu seinem Namen? Wer gestaltete die Giebelwand der Aula und wie? Welche Entwicklung machte das Kranich-Gymnasium in den letzten Jahren durch? Wofür steht eigentlich das Wort KRANICH und was sind unsere Grundsätze? Wer hat in der Vergangenheit die Schule geleitet und repräsentiert?

Stellen Sie sich wohl möglich die gleichen Fragen? – Dann sind Sie auf dieser Seite genau richtig!

Allgemeines zum Kranich-Gymnasium

Die Kranich-Tradition geht bereits bis in das Jahr 1947 zurück, in dem das Kranich-Gymnasium – damals noch Gymnasium SZ-Lebenstedt – eröffnet wurde. Es ist seit 1998 eine offene Ganztagsschule und seit 2005 zusätzlich Notebookschule. Die Schule wird seit 2009 von Frau Ilgner geleitet, ihr ständiger Vertreter ist Herr Ehrenberg. Die Schulverwaltungsarbeit wird zusätzlich von drei Koordinatorinnen und Koordinatoren unterstützt. Das Kollegium umfasst mehr als 60 Lehrerinnen und Lehrer, sowie eine wechselnde Zahl von Referendaren. Unser Sozialpädagoge, die Sekretärinnen, der Schulassistent und der Hausmeister tragen ebenfalls zum Gelingen des Schulalltags bei.

Im Schuljahr 2017/18 besuchten 782 Schülerinnen und Schüler das Kranich-Gymnasium. Die Klassen der Sekundarstufe I sind drei- bis sechszügig. Aufgrund des weiträumigen Einzugsgebietes umliegender Ortsteile und Dörfer besteht die Hälfte der Schülerschaft aus Fahrschülern. Die Unterrichtsverteilung erfolgt hauptsächlich nach Stundentafel 2, der Unterricht selbst folgt seit 2009 dem Prinzip des Doppelstundenmodells, welches Ruhe in den Schulalltag bringt, Raum für offene Unterrichtsformen bietet, für eine effiziente Verteilung der Hausaufgaben sorgt und die Schultasche „erleichtert”. Das Fremdsprachenangebot enthält neben Englisch die Fächer Französisch und Latein als zweite Pflichtfremdsprache. Mit den Chorklassen im 5. und 6. Schuljahr und dem Pilotprogramm des Sportprojekts ab Beginn des Schuljahres 18/19 (ebenfalls in den 5. und 6. Klassen) findet sich sowohl ein musikalischer als auch ein bewegungsorientierter Schwerpunkt. Da viele Schülerinnen und Schüler auch den Nachmittag in der Schule verbringen, gibt es ein umfangreiches Mittagsangebot in unserer Mensa. Neben unterschiedlichen AGs werden auch Hausaufgabenbetreuung und Lernstudios angeboten.

Übersicht der Themen

Schulentwicklung

In den vergangengen Schuljahren hat das Kranich-Gymnasium einen enormen Zuwachs an Schülerinnen und Schülern zu verzeichnen. Waren es im Schuljahr 14/15 noch gut 620 Schülerinnen und Schüler, so besuchten im Schuljahr 17/18 mehr als 780 Kinder und junge Erwachsene das Kranich-Gymnasium. Der nebenstehende Graph verdeutlicht den Zuwachs der Schülerschaft im Zeitraum von 2014 bis 2018 um 34,2%.

Schuljahr 14/15: 626 Schülerinnen und Schüler
Schuljahr 15/16: 620 Schülerinnen und Schüler
Schuljahr 16/17: 691 Schülerinnen und Schüler
Schuljahr 17/18: 782 Schülerinnen und Schüler
Schuljahr 18/19: 806 Schülerinnen und Schüler
Schuljahr 19/20: 821 Schülerinnen und Schüler
Schuljahr 20/21: 930 Schülerinnen und Schüler

Unser Leitbild – Dafür steht das Kranich-Gymnasium

Kompetenz

Wir fördern und fordern die fachwissenschaftliche Kompetenz und entwickeln die Studierfähigkeit. Dabei sind wir an der Lebenswelt unserer Schülerinnen und Schüler und an der Anwendung in der Praxis orientiert.

Respekt

Respektvoller Umgang Wir sorgen dafür, dass der Umgang aller am Schulleben Beteiligten von Respekt, Fairness und Hilfsbereitschaft geprägt ist und sich alle in der Gemeinschaft wohlfühlen. Wir gehen freundlich und höflich miteinander um und halten getroffene Regelungen und Vereinbarungen konsequent ein.

Anstand

Werteerziehung (Mut zur Erziehung) Wir erziehen unsere Schülerinnen und Schüler im Geiste der Humanität zu Persönlichkeiten, die an Werten orientiert handeln und die Verantwortung für sich und andere übernehmen.

Neugier

Wir wecken bei Schülerinnen und Schülern Neugier und Kreativität und fördern eigenverantwortliches Lernen sowie Anstrengungsbereitschaft.

Individualität

Wir unterstützen die Schülerinnen und Schüler in ihren besonderen Begabungen und ihren Interessen.

Chance

Wir pflegen einen intensiven fachlichen und pädagogischen Austausch. Wir entwickeln unsere Kooperation, die von Respekt und Solidarität geprägt ist. Wir bilden uns kontinuierlich und systematisch fort, um die Qualität unserer Arbeit weiterzuentwickeln.

Wie entstand eigentlich der Name Kranich-Gymnasium?

Als „Ehemaliger”, der 1959 sein Abitur am damaligen „Gymnasium SZ-Lebenstedt” abgelegt hat, war ich unlängst bei Nachbarn eingeladen. Das Gespräch kam auf den Punkt, wie eigentlich der Name „KRANICH-GYMNASIUM” entstanden ist, denn 1959 hieß die Schule noch nicht so. Ich habe daher mein Gedächtnis und das von Klassenkameraden angestrengt und auch im Schularchiv die Schulzeitungen aus jener Zeit eingesehen und komme zu folgender Version, bei der ich ziemlich sicher bin, dass sie richtig ist.

Im Dezember 1955, genau genommen am 20.12., hat die Klasse 10m, der ich damals angehörte, erstmals eine Klassenzeitung herausgegeben. Sie bekam den Namen „KLASSENSPIEGEL” und hieß im Untertitel „Kladderadatsch der Klasse 10m”. Insgesamt erschienen 7 Nummern bis Mitte 1956 in jeweils 25 – 30 Exemplaren. Die Zeitung kostete nur 15 Pfennige und entsprechend sah sie auch aus. Wir zogen sie auf Matrizen ab, und der Inhalt des „Käseblättchens” bestand meist aus Witzen und witzigen Balladen, daneben Berichte über Lehrer und Sportereignisse. „Redakteure” waren die Schüler Hans-Jürgen Scholz (jetzt Röntgenfacharzt in Braunschweig), Norbert Obst (Architekt in Dortmund), Klaus Wodsack (kath. Priester in Rom) und ich (Dipl.-Kfm. bei den Stahlwerken PSAG). Wahrscheinlich war es die erste Klassenzeitung an unserer Schule überhaupt. Aber nicht das ist besonders erwähnenswert, sondern die Tatsache, dass aus diesem Blatt die Schulzeitung „KRANICH” entstand, die Weihnachten 1956 mit 500 Exemplaren erschien. Nachzulesen ist dies u. a. unter dem Titel „Vom Klassenspiegel zum Kranich” im KRANICH 4/1957, Seiten 17 und 18.

Wie kam es nun zur Gründung einer Schulzeitung? Wir hatten einen Lehrer etwas „unsanft” in der Klassenzeitung behandelt und mussten mit unserem damaligen Klassenlehrer Walter Müller zu Direktor Dr. Korn dem damaligen Schulleiter. Erst „machte er uns fertig”, doch dann diskutierte er mit uns – angeregt auch durch unseren Klassenlehrer – eine Hebung des Niveaus und die Umwandlung in eine Schulzeitung. Erster „Schriftleiter” wurde Norbert Obst und die älteren Schüler von den 12. Klassen (wir waren inzwischen in der 11.) machten auch mit. Betreuer wurde für viele Jahre W. Müller, unser Klassenlehrer. Im Deutschunterricht hatten wir damals die Schillersche Ballade „Die Kraniche des Ibykus” mit dem bekannten Satz „Sieh, sieh da, Timotheus” besprochen und auswendig lernen müssen. Alles, was mit den alten Griechen zu tun hatte, interessierte uns – zumindest vorübergehend – sehr, wie man auch der Schulzeitung 1/1957 („über die Ausgestaltung unseres Klassenraumes 1”, Seiten 8 und 9) entnehmen kann. Wir zierten die leeren Wände unserer Klasse kunstvoll mit Leierspielern und Fackelträgern unter Anleitung unseres Kunsterziehers Walter Junge (oder hatten wir damals Herrn Örtel?).

Irgendwie kamen auch die Kraniche ins Gespräch und daraus entstand die Bemalung der grossen Fassadenwand der Schule; es muss im Herbst 1956 gewesen sein. Die Ausführungen von Herrn Junge unter dem Titel „Die Gestaltung der Wand unserer Aula” sind auf den Seiten 2 und 3 der allerersten Kranich-Nummer 0/1956 nachzulesen. Aula-Wand und Ballade führten dann dazu, dass auch die neugegründete Schulzeitung den Titel „Der Kranich” bekam, den sie auch heute noch (wenn auch ohne den Artikel) hat. Ich weiss nicht mehr genau, wer den entscheidenden Vorschlag gemacht hat, aber dass unsere Klasse hierbei mitwirkte, ist klar. Nachdem sich die Schulzeitung durchgesetzt hatte und ihr Niveau immer besser wurde, war es schon fast zwingend, dass auch die Schule bei geeigneter Gelegenheit danach benannt wurde. Aber da waren wir schon längst nicht mehr auf der „Penne” und darüber können andere bestimmt besser berichten!

Gerhard Wallek
Abiturjahrgang 1959, Gymnasium SZ-Lebenstedt

Überblick über die Bau- und Renovierungsgeschichte unseres Gymnasiums?

  • 05.08.1943 erster Unterricht im „Großen Klassenraum der Alten Dorfschule” in Lebenstedt mit Schuljahresbeginn 1944
  • Unterricht in der Dorfschule und in den Holzbaracken der Boelckeschule, bei Fliegeralarm teilweise Unterricht im Hochbunker
  • 01.12.1945 Neuanfang nach Kriegsende in Holzbaracken und in der Dorfschule (dort bis Januar 1946)
  • kurz vor der Währungsreform 1948 „erstes eigenes” Schulgebäude, eine Steinbaracke, wird fertiggestellt und bezogen
  • ansonsten weiterhin Unterricht in Holzbaracken
  • Herbst 1949 zweite Steinbaracke wird fertig (ein Teil davon steht heute noch im Hof neben der Turnhalle)
  • 1951/52 zu Beginn des Schuljahres wird eine große Baracke im Gewerbepark als Turnhalle hergerichtet (in der Nähe des jetzigen Bahnhofes)
  • 18.08.1951 Grundsteinlegung für den 1 .Neubauabschnitt des Gymnasiums Salzgitter-Lebenstedt (heutiger Biologietrakt)
  • 23.10.1951 Richtfest
  • Ostern 1952 der erste Trakt wird bezogen; die Schule umfaßt damals diesen Neubautrakt, 2 Stein- und 3 Holzbaracken mit provisorischen Räumen für Physik‑, Chemie- und Musikunterricht
  • Herbst 1953 Fertigstellung des 2. Bauabschnittes (heutiger Chemietrakt)
  • September 1954 3. Bauabschnitt begonnen: Aula und doppelstöckiger Verwaltungstrakt
  • 15.03.1957 Einweihung der Aula
  • 01.12.1959 Baubeginn der Turnhalle
Bau der Turnhalle
  • 14.03.1961 Einweihung der Turnhalle
  • September 1962 Baubeginn des Anbautraktes ‑Richtung Saldersche Straße
  • März 1964 Übergabe des Anbautraktes (heutiger Kunsttrakt)
  • 1964/65 Biologiefachräume fertiggestellt; im Bau bzw. in der Einrichtung befinden sich noch: der Gymnastikraum, der Physikraum, der Physikvorbereitungs- und Sammlungsraum, der Schülerübungsraum und das Fotolabor
  • 22.01.1966 offizielle Vollendung der Baumaßnahmen

Die Zeit von 1943 bis 1966 war durch einen ständigen Wechsel der Unterkünfte, dem Unterrichten in Holz- und Steinbaracken und andauernden Baumaßnahmen gekennzeichnet. Die Schule war sozusagen ein Gymnasium im Aufbau mit ständig steigenden Schülerzahlen. 1200 Schüler machten am 1. Februar 1968 eine Trennung in das Gymnasium I (das spätere Kranich-Gymnasium) und das Gymnasium II notwendig, das zunächst in den alten Holzbaracken untergebracht war, bevor es zum Fredenberg in eigene Gebäude umzog (das heutige Gymnasium am Fredenberg). Mit Einführung der reformierten Oberstufe zum Schuljahr 75/76 wurden dann folgende Umbaumaßnahmen notwendig:

  1. Einrichtung einer Schülerbücherei in der Steinbaracke
  2. Teilung der Aula: vorderer Teil wird Sek II-Aufenthaltsraum
  3. Fachräume für Gemeinschaftskunde sowie heutige Sek II-Räume im Keller des Chemietraktes
  4. Einrichtung eines Fahrschülerraumes (heutiges Beratungslehrerzimmer)

 

In der damaligen Ratsvorlage vom 29.4.1976 wird bereits vorgeschlagen: „Es wird unter Berücksichtigung der Situation jeder Schule zu prüfen sein, ob Automaten (für Getränke, evtl. auch für Speisen) aufzustellen sind oder eine Cafeteria benötigt wird…” Die Hoffnung darauf ist nach nunmehr 17 Jahren immer noch ungebrochen. Im Schuljahr 1981/82 mußte dann eine außerplanmäßige Renovierung der Turnhalle durchgeführt werden, weil ein Brandanschlag auf die Turnhalle dort beträchtliche Schäden verursacht hatte. Seit Mitte der 80er Jahre ist ein umfangreiches Renovierungsprogramm angelaufen, das eine Grundsanierung der einzelnen Bautrakte zum Ziel hat. Es umfasst:

  1. Dachisolation und neuen Außenputz mit Wärmeisolierung
  2. Einbau von doppelverglasten Fenstern
  3. Umstellung der gesamten Heizungsanlage auf Erdgas
  4. Einbau von Holzdecken
  5. neue Wasserleitungen, Waschbecken und Toilettenanlagen
  6. teilweise neues Mobiliar für die Klassenräume und vor allem die Modernisierung der Fachräume Biologie, Chemie und Physik

 

  • 1985/86 Kunsttrakt mit Klassenräumen der 7. und 8. Klassenstufe
  • 1987 Verwaltungstrakt
  • 1989 Biologietrakt
  • 1991 Physiktrakt
  • 1992 Chemietrakt

 

Es stehen dabei noch die jeweilige Vollendung des Physik- und des Chemietraktes aus sowie die sowie die Grundsanierung des gesamten Aulabereiches mit dem notwendigen Innenausbau des Musikraumes. Nach der offiziellen „Fertigstellung” der Schule im Jahr 1966 wird seit nunmehr 18 Jahren aus schulorganisatorischen bzw. baulichen Notwendigkeiten am Kranich-Gymnasium saniert, ein Ende ist jedoch noch nicht absehbar. Falls der Antrag auf Errichtung einer Ganztagsschule genehmigt werden sollte, müßten weitere bauliche Verbesserungen (Einrichtung einer Küche/Cafeteria, Verlagerung der Schulbibliothek in den alten Fahrradkeller, „lauter” und „stiller” Freizeitbereich) vorgenommen werden. Schüler und Lehrkräfte haben sich inzwischen an die ständigen „Umbaumaßnahmen” mit ihren Auswirkungen auf den Unterricht gewöhnt und diese sind mittlerweile zu einem charakteristischen „Markenzeichen” unserer Schule geworden, das vor allem das Improvisationstalent und die Geduld aller Beteiligter enorm geschult hat.

Zur Gestaltung der Giebelwand der Aula des Kranich-Gymnasiums von Walter Junge, 1956

Wer einmal die Gelegenheit hatte, eine größere Anzahl von Schulneubauten der Nachkriegszeit zu sehen, wird sicherlich bemerkt haben, dass weit häufiger als früher an fast allen Bauten künstlerischer Schmuck angebracht wurde.

Gleichzeitig aber hat er, wenn er ein aufmerksamer Beobachter war, feststellen können, in welche Verlegenheit die maßgeblichen Instanzen – Behörde, Architekt, ausführender Künstler – fast immer gekommen sind, wenn man sich im Laufe der Verhandlungen endlich konkreten Vorschlägen über den Inhalt des vorgesehenen Schmuckes näherte. Die Einigung über technische Fragen, also über die Art des anzubringenden Schmuckes – ob Mosaik, Sgraffito, Wandmalerei, Kachelsetzung, Holzintarsie etc. – wird schnell erzielt worden sein. Wenn es aber schließlich darum ging, das sogenannte „Motiv” oder sagen wir ruhig den Inhalt oder Sinngehalt festzulegen oder auch nur im Ungefähr zu umreißen, begannen die eigentlichen Schwierigkeiten.

Man war sich zwar klar darüber, dass die geplante Arbeit eine innere sinnbildliche Beziehung zum Wesen einer Schule überhaupt oder in besonderen Fällen sogar zu dieser einen für den Schmuck ausersehenen Schule haben musste. Vielleicht war sie schon sehr alt und Trägerin einer langen geschichtlichen Tradition, die bei ihrem Neubau berücksichtigt werden musste. Oder sie war eine Neugründung, und es war darum naheliegend, wie es z.B. bei unserer Oberschule der Fall ist. Wie nun aber diese sinnbildliche Beziehung oder Ausdeutung inhaltlich zu fassen war – ganz abgesehen von der formalen Lösung – darüber werden die Meinungen wohl immer weit auseinandergehen.

Die Schwierigkeiten sind nur angedeutet, wenn ich darauf hinweise, dass sich unter allen Umständen Form und Inhalt decken müssen! Dies aber ist eigentlich nur dem Künstler bewusst, doch kaum jemals einem aus der großen Zahl derer, die aufgefordert ihre gutgemeinten Vorschläge über den symbolischen Inhalt der geplanten Ausschmückung abgeben. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, die mir von den verschiedensten Seiten gemachten Vorschläge hinsichtlich der Ausgestaltung der Aulawand unseres Gymnasiums vollzählig anzuführen. Die meisten waren – wie fast immer bei derartigem Anlass – völlig unbrauchbar, weil ihre Ausführung entweder unmöglich war oder aus ästhetischen Gründen nicht in Frage kam.

Nur einige wenige habe ich in Entwürfen zu realisieren versucht, obwohl es mir schon vorher klar war, daß auch diese Vorschläge kaum mit den formalen Voraussetzungen unter ein Dach zu bringen waren. Diese Entwürfe bildeten also letzten Endes nur eine Bestätigung meiner vorherigen Bedenken. Ich habe sie aber gemacht, um den naheliegenden Vorwurf der Überheblichkeit oder Selbstgerechtigkeit zu entgehen.

Alle Versuche, den Schmuck, wie es heute üblich ist, auf die linke oder rechte Seite, in die obere oder untere Hälfte der Fläche zu verlegen, scheiterten zu meinem Bedauern an dem ungewöhnlichen Verhältnis von Höhe zu Breite dieses Giebels. Wäre er links angebracht worden, hätte der Giebel sich für den Betrachter nach links geneigt, und umgekehrt. Es blieb nach allem nur die Zentralkomposition für diese schwerfällig-breite Fläche übrig. Was nun an unserer Aulawand entstanden ist, will ich mit den gleichen Worten umreißen, die schon einmal an anderer Stelle zu lesen waren:

Was ist zu sehen? Ein abstraktes Gerüst in Streifen und Bögen teilt die Fläche auf. In diesen Streifen, Feldern, Bögen sind fliegende Vögel zu sehen, im unteren Teil ein großer, mehrfach aufgeteilter Kreis, dazu eine Abschlußleiste. Die Farben sind weiß, rostrot und golden. Es galt, für diese Wand ein Motiv zu finden, das wohl Bezug nahm auf die Schule, insbesondere auf den Zweck dieses Gebäudes, einer Aula, die feierlichen Zwecken dienen soll, dies aber nur in ganz dezenter und sehr zurückhaltender Form zu tun hatte. Dieses Motiv sollte nicht nur die Aula schmücken, sondern auch der ganzen Straße ein Profil geben, sofern dies möglich war.

Jeder plumpe und allzu deutliche Hinweis also mußte unterbleiben. Ferner mußten natürlich die Gesetze künstlerischer Gestaltung unbedingt gewahrt bleiben. Vor allem aber mußte eine sehr moderne, dem heutigen Empfinden nach eine gemäße Form gefunden werden, um die erstrebte Symbolik in unaufdringlicher, doch leicht überschaubarer Form zu verdeutlichen. Es mußte ein Prinzip angewandt werden, das man nicht ganz erschöpfend mit „Stilisierung”, mit Vereinfachung, Reduzierung oder Konzentration eines Motivs bezeichnet.

Allen Anhängern eines platten Naturalismus wird diese Wand nichts sagen. Sie werden mir vorhalten, daß die Vögel keine Augen, keine Federn und keine Füße haben oder ähnliches. Sei es drum! Eine Auseinandersetzung über die Gesetze einer Wandgestaltung mit den Verfechtern dieser Richtung wäre sinn- und zwecklos. Ich gebe hiermit, um alles Rätselraten zu beenden, folgende Erklärung des Motivs:

Seit alters her ist der fliegende Kranich in der Symbolwelt vieler Völker das Sinnbild des lebendigen Geistes, der sich immer wieder unverdrossen über alles Irdische und alle Widerstände hinweg emporzuheben versucht. Gelingt ihm der Aufstieg, stellen sich andere Hindernisse in seinen vorwärtsstürmenden Flug. Sie müssen immer wieder überwunden werden. Daher die ständige Wiederholung des fliegenden Kranichs, daher die Streifen, Flächen, Bögen als die ständigen Widerstände gegen den Flug des lebendigen Geistes.

Der große, mehrfach aufgeteilte Kreis bedeutet vieles in einem: das Weltall, das Sonnensystem mit seinen Trabanten, unsere Erde. Der Kreis ist außerdem das alte System der Vollkommenheit, dient somit wieder als leiser Bezug auf unser pädagogisches Bemühen, Menschen heranzubilden, indem wir ihnen die Sehnsucht nach dem Ideal des in sich vollkommenen Menschen zu erwecken versuchen – wenn wir auch nur allzu gut wissen, wie fern und nahezu unerreichbar dieses Ideal für uns ist und bleiben wird. Es war eine wohl anstrengende, aber auch schöne und Freude bringende Aufgabe, diese Wand gestalten zu dürfen. Ich hoffe, daß sich vor ihr heftige Diskussionen für und wider abspielen werden. Nichts kann einem Künstler lieber sein.

Walter Junge (1905−1990)

 

  • 9. 3. 1905 geboren in Hamburg-Sprenge
  • Nach dem Abitur Lithographenlehre, Besuch der Altonaer und Hamburger Kunstgewerbeschule, Arbeit als Glasmaler und Grafiker bei einer Hamburger Zeitung
  • 1923 Beginn des Kunststudiums in München bei Prof. Franz von Stuck und Adolf Schinnerer
  • 1924 Wechsel zum Bauhaus in Dessau/Weimar u.a. bei Paul Klee
  • 1926 ‑1930 Kunsthochschule Berlin mit Abschluß 1. Staatsexamen
  • 1929 Preis für Malerei Große Deutsche Kunstausstellung in Hamburg/Altona
  • 1933 ‑1945 als entartet eingestufter Künstler
  • 1943 Durch Luftangriff völlige Zerstörung des Wohnhauses und Ateliers mit dem künstlerischen Gesamtwerk
  • 1949 ‑1953 Studienassessor in Marburg, 1953 Übersiedlung nach Salzgitter
  • 1953 ‑1976 Kunsterzieher am Kranich-Gymnasium und am Gymnasium II am Fredenberg in Salzgitter
  • 1959 Gründung der Künstlervereinigung „Salzgitter Gruppe”; 1960 Gründung des Kunstvereins Salzgitter e.V.
  • 1966 Fertigstellung des Sgraffitos „Kraniche” an der Giebelwand der Aula des Kranich-Gymnasium
  • 1985 Verleihung der Stadtmedaille der Stadt Salzgitter für kulturelle Verdienste; 2. 1. 1990 gestorben in Salzgitter

Geschichtliche Eckdaten

Gründung: 5. August 1943

Als Filiale der Oberschule Salzgitter (-Bad) wird die Oberschule für Jungen in Lebenstedt gegründet. Die Anfangszeit ist wegen des Krieges sehr von den damit zusammenhängenden Problemen gekennzeichnet. So bestand die Schule zu Beginn aus einer hauptamtlichen Lehrkraft, Frau Raithel, und 37 Schülern in einem „großen Klassenraum” in der alten Dorfschule in Lebenstedt. Zum „normalen” Schulalltag gehörten in der Anfangszeit neben der Lehrernot Raumnot, Fliegeralarm etc. Das Schulleben „teilte” sich seit 1944 zudem auch räumlich in die Alte Dorfschule und die Holzbaracken der Volksschule I (Boelcke-Schule, s. Foto unten; heute Nebengebäude des Kranich-Gymnasiums), die für die folgenden Jahrzehnte ein bauliches Merkmal dieser Schule bleiben sollten. Erwähnenswert ist noch die Tatsache, dass das erste Schuljahr vom Herbst 1943 bis zum Herbst 1944 lief, das zweite Schuljahr vom Herbst 1944 bis Ostern 1946.

Boelcke-Schule

40er Jahre

1946/47

Die Sirenen schwiegen zwar, und der Bunker musste nicht mehr als Unterrichtsraum herhalten, aber die Gesamtsituation blieb eher traurig: 6 Klassen und 3 Lehrer! Hinzu kam die allseits bekannte Not der Nachkriegszeit. Immerhin wuchs durch „magische” Kräfte die Zahl der Lehrkräfte auf 6 1/2!

1947/48

Am 21.5.1947 wird die Schule eine selbstständige Oberschule! Sie hatte immerhin schon 200 Schüler und 9 Klassen! Das gesamte Unternehmen „Schule” hing in diesen ersten Jahren stark am „Tropf” der Elternspenden in Form von „Leihgaben”: Stühle, Tische und Lehrmittel, so dass immerhin schon zirka 24 – 28 Wochenstunden für die Schüler möglich waren!

1948/49

In 8 notdürftig eingerichteten Räumen warten 11 Klassen auf 9 Lehrer! Gründung des Elternrates.

1949/50

Erster Abschluss (10. Klasse!) 13 Klassen in 8 Räumen, aber erstmals fast volle Unterrichtsversorgung (32 Wochenstunden!), in einer 7. und 8. Klasse kann sogar Latein angeboten werden. Gründung des Schulvereins. Einführung des 13. Schuljahres, daher findet 1953 kein Abitur statt.

50er Jahre

60er Jahre

80er Jahre

70er Jahre

90er Jahre